Weltmeisterschaft im Blindverkosten: Deutschland erreicht einen starken vierten Platz
Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im Blindverkosten im französischen Avignon trafen sich die besten Weinverkoster aus aller Welt, um ihr Wissen und ihre sensorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. In einem Wettbewerb, bei dem weder Etiketten noch Herkunftsangaben Hinweise auf den Inhalt der Gläser lieferten, setzte sich das französische Team durch. Japan und Brasilien belegten die Plätze zwei und drei. Die deutsche Mannschaft erreichte einen beachtlichen vierten Platz und verpasste das Podium nur knapp.
41 Nationen im internationalen Wettbewerb
Verkostungskompetenz auf höchstem Niveau: Insgesamt 41 Nationen waren bei der internationalen Meisterschaft in Avignon vertreten. Das deutsche Team ging mit vier erfahrenen Verkostern an den Start: Ulrich Hagenmeyer, Andrea Hagenmeyer, Cyril Meidinger und Christian Weisenstein. Ulrich Hagenmeyer und Cyril Meidinger sind auch als Verkoster bei VINUM-Wettbewerben aktiv.
Die Herausforderung bestand darin, die servierten Weine ausschließlich anhand ihrer sensorischen Eigenschaften möglichst präzise zu bestimmen. Ohne sichtbare Etiketten oder zusätzliche Informationen waren ein geschulter Geruchs- und Geschmackssinn, fundiertes Weinwissen und eine ausgeprägte Verkostungserfahrung gefragt.
Rebsorte, Herkunft und Jahrgang: Darauf kam es an
Bei der Weltmeisterschaft im Blindverkosten zählte jedes Detail. Für jeden Wein mussten die Teams möglichst genaue Angaben zu Rebsorte, Herkunftsland, Anbaugebiet und Jahrgang machen.
Die Bewertung folgte einem klaren Punktesystem:
- Rebsorte: 10 Punkte bei richtiger Bestimmung
- Herkunftsland: 5 Punkte
- Weinregion: 5 Punkte
- Jahrgang: 3 Punkte
Damit waren pro Wein maximal 23 Punkte zu erreichen. Besonders anspruchsvoll war dabei, dass sich viele Weine sensorisch durchaus ähneln können, obwohl sie aus unterschiedlichen Regionen oder Rebsorten stammen.
Deutschland zwischenzeitlich an der Spitze
Bereits der erste Wein stellte die Teilnehmer vor eine Herausforderung. Ein Crémant aus Luxemburg konnte zunächst ausschließlich vom französischen Team korrekt identifiziert werden.
Im weiteren Verlauf zeigte die deutsche Mannschaft jedoch ihr Können und konnte sich zwischenzeitlich sogar an die Spitze des Teilnehmerfeldes setzen. Unter anderem gelang es den Verkostern, einen Chenin Blanc von der Loire, einen Spätburgunder vom Oberrhein und einen Syrah von der nördlichen Rhône richtig zuzuordnen.
Diese Treffer unterstrichen die internationale Erfahrung und das ausgeprägte sensorische Gespür des deutschen Teams.
Kleine Fehleinschätzungen verhinderten einen Podestplatz
Im weiteren Wettbewerb erwiesen sich einige Weine jedoch als besonders knifflig. Mehrere Fehlzuordnungen kosteten die deutsche Mannschaft wertvolle Punkte und verhinderten letztlich eine Platzierung unter den besten drei Teams.
Ein Beispiel war ein Brunello di Montalcino, den die deutschen Verkoster zunächst für einen Nebbiolo hielten. Dabei war die Rebsorte Sangiovese zu Beginn durchaus in Betracht gezogen worden.
Auch bei einem Saint-Émilion Grand Cru zeigte sich, wie anspruchsvoll die präzise Bestimmung der Herkunft sein kann: Die Rebsorten Merlot und Cabernet Sauvignon wurden zwar richtig erkannt, der Wein jedoch fälschlicherweise dem italienischen Anbaugebiet Bolgheri zugeordnet.
Gerade solche Situationen machen den besonderen Reiz des Blindverkostens aus. Selbst erfahrene Weinexperten können trotz fundierter Kenntnisse und eines geschulten Gaumens an ihre Grenzen stoßen.
Ein starkes Ergebnis für das deutsche Team
Auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Siegerpodest reichte, ist der vierte Platz angesichts der internationalen Konkurrenz ein beachtliches Ergebnis. Die deutsche Mannschaft konnte sich gegen einen Großteil der 41 teilnehmenden Nationen behaupten und zeigte insbesondere in der ersten Hälfte des Wettbewerbs eine überzeugende Leistung.
Den Gesamtsieg sicherte sich Frankreich vor Japan und Brasilien. Ausgerichtet wurde die Weltmeisterschaft von der renommierten französischen Weinzeitschrift „La Revue du Vin de France“.
Die Meisterschaft verdeutlicht einmal mehr, wie viel Fachwissen, Erfahrung und sensorisches Feingefühl erforderlich sind, um einen Wein allein anhand seiner Aromen und seines Geschmacks zu identifizieren. Denn hinter jedem Glas verbirgt sich eine eigene Geschichte aus Rebsorte, Terroir, Klima und Jahrgang – und genau diese gilt es beim Blindverkosten zu entschlüsseln.
(Quelle: https://www.vinum.eu/de/news/weinszene/2026/deutsches-team-holt-4-platz/ , Bild: ZvG)